Futtermittelallergie beim Hund: Die Eliminationsdiät richtig durchführen

Der vollständige Ratgeber – verständlich erklärt, wissenschaftlich fundiert

CG

Christopher Groß

Tierarzt und Doktorand der Tierernährung, Hannover

Mueller 2016 Olivry 2018 ICADA 2015
Hund kratzt sich – bei Futtermittelallergie ist die Eliminationsdiät der Goldstandard

In 60 Sekunden: Das Wichtigste zur Futtermittelallergie

  • Blut- und Speicheltests sind wissenschaftlich nicht verlässlich – kein Goldstandard
  • Goldstandard: Eliminationsdiät 8–12 Wochen, lückenlos einhalten
  • Auslöser sind immer Proteine – „getreidefrei" allein löst das Problem nicht
  • Rind (34 %) und Huhn (15 %) sind die häufigsten Auslöser (Mueller et al. 2016)
  • Kauartikel, Medikamente mit Fleischgeschmack und Zahnpflege-Snacks können die Diät torpedieren
  • SensiPet filtert nach bekannten Allergenen: Jetzt allergenfreies Futter finden →

Häufigste Futterallergene beim Hund (Mueller et al. 2016, n=297)

Rind34 %Milchprodukte17 %Huhn15 %Weizen13 %Soja6 %Lamm5 %Quelle: Mueller et al. 2016

Ihr Hund kratzt sich ständig, leckt seine Pfoten wund, hat wiederkehrende Ohrentzündungen oder chronischen Durchfall? Eine Futtermittelallergie könnte die Ursache sein. Dieser Artikel erklärt, was eine Futtermittelallergie wirklich ist, warum die Eliminationsdiät der Goldstandard ist – und wie sie so durchgeführt wird, dass sie tatsächlich funktioniert.


1. Was ist eine Futtermittelallergie – und was nicht?

Der Begriff Adverse Food Reaction (AFR) umfasst alle unerwünschten Reaktionen auf Futter – unabhängig vom Mechanismus:

  • Futtermittelallergie (immunologisch, IgE-vermittelt) – das Immunsystem reagiert auf ein Protein als scheinbare Bedrohung
  • Futtermittelunverträglichkeit (nicht immunologisch, z. B. Laktoseintoleranz) – kein Immunmechanismus beteiligt

In der Praxis ist die Unterscheidung schwierig, da die klinischen Symptome überlappen. Für die Therapie spielt sie keine Rolle – die Eliminationsdiät hilft bei beiden.

Typische Symptome

  • Juckreiz – besonders an Pfoten, Ohren, Gesicht, Leiste und Rute
  • Wiederkehrende Ohrentzündungen (Otitis externa)
  • Hautrötungen, Schuppenbildung, Pusteln
  • Chronischer oder intermittierender Durchfall
  • Analdrüsenprobleme, Analdrüsenentzündungen
Wichtig: Allergien können auch nach jahrelanger Fütterung desselben Futters entstehen. Wenn Ihr Hund plötzlich auf sein Lieblingsfutter reagiert, ist das kein Widerspruch – es ist typisch für Allergien.

Quellen: Olivry et al. 2010; Mueller et al. 2016; Verlinden et al. 2006


2. Welche Proteine sind am häufigsten schuld?

Entgegen der weit verbreiteten Annahme sind nicht Getreide, sondern tierische Proteine die häufigsten Auslöser von Futtermittelallergien beim Hund:

ProteinquelleAnteil der Fälle
Rind34 %
Milchprodukte17 %
Huhn15 %
Weizen13 %
Soja6 %
Lamm5 %
Fisch5 %

Quelle: Mueller et al. 2016 – Auswertung von 297 Fallberichten

Was das bedeutet: Ein Futter als „getreidefrei" zu vermarkten löst das eigentliche Problem nicht. Die Allergie richtet sich fast immer gegen ein Protein – häufig Rind oder Huhn, die in fast jedem kommerziellen Futter vorkommen.

3. Goldstandard Diagnostik: Die Eliminationsdiät

Serologische Tests (IgE-Antikörper aus Blut) und Speicheltests werden häufig angeboten. Die wissenschaftliche Datenlage ist jedoch eindeutig:

Serologische Tests und Speicheltests haben keine ausreichende diagnostische Genauigkeit für Futtermittelallergien beim Hund. Sie liefern hohe Raten falsch-positiver und falsch-negativer Ergebnisse. Olivry & Mueller 2018 kommen in ihrer systematischen Übersichtsarbeit zu dem Schluss: Diese Tests sind nicht als diagnostische Grundlage geeignet.

Der Goldstandard ist die kontrollierte Eliminationsdiät mit anschließendem Provokationstest. *(Evidenz: A – Konsensus-Leitlinie ICADA, Olivry et al. 2015)*

Prinzip: Der Hund bekommt für 8–12 Wochen ausschließlich Futter mit Proteinen, die er noch nie gefressen hat (oder die so stark hydrolysiert sind, dass das Immunsystem sie nicht mehr erkennt). Bessern sich die Symptome, folgt ein Provokationstest.


4. Was während der Eliminationsdiät erlaubt ist – und was nicht

Erlaubt:
  • Das gewählte Eliminationsdiätfutter (Monoprotein oder Hydrolysat)
  • Frischwasser
  • Leckerlis aus derselben Proteinquelle wie das Diätfutter (z. B. getrocknetes Pferdefleisch bei Pferd-Diät)
Nicht erlaubt – auch nicht „einmal":
  • Anderes Futter jeglicher Art
  • Käse, Wurst, Fleischreste vom Tisch
  • Kauartikel (Büffelhaut, Pansen, Knochen, Ochsenziemer) – enthalten fast immer Rind- oder Schweineprotein
  • Zahnpflege-Snacks und Kaustreifen
  • Medikamente mit Fleischgeschmack (z. B. Flohpräventiva als Kautablette) – mit Tierarzt besprechen
  • Fressen beim Spaziergang – Hund beaufsichtigen
  • Futterreste anderer Haustiere

5. Monoprotein-Futter: Worauf wirklich zu achten ist

Für die Eliminationsdiät geeignet sind nur Futter, die drei Kriterien erfüllen:

  • Eine klar benannte Proteinquelle (z. B. „Pferdefleisch" – nicht „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse")
  • Ohne den Zusatz „Tierische Nebenerzeugnisse" ohne weitere Spezifizierung – diese können alles enthalten
  • Aus einer dedizierten Produktionslinie ohne Kreuzkontamination – im Idealfall vom Hersteller bestätigt

Geeignete „neue" Proteinquellen

Als „neu" gilt ein Protein, das der Hund noch nie gefressen hat. Gute Kandidaten:

  • Pferd – am häufigsten empfohlen, gut verträglich
  • Insekten (z. B. Hermetia illucens, Grille) – immunologisch neu für die meisten Hunde
  • Känguru, Strauß, Wildschwein – weniger verbreitet, daher gut geeignet
  • Kaninchen – wenn noch nicht gefüttert
Lamm und Fisch gelten oft als „hypoallergen" – sie stehen aber auf der Liste der häufigen Auslöser (je 5 %) und sind in vielen Futtersorten inzwischen enthalten. Für die Eliminationsdiät nur einsetzen, wenn der Hund diese Proteine nachweislich noch nie erhalten hat.

6. Hydrolysiertes Protein als Alternative

Bei der Hydrolyse werden Proteine durch Enzyme in sehr kleine Peptide (Fragmente) zerlegt. Das Immunsystem erkennt diese Fragmente nicht mehr als Allergen – theoretisch. In der Praxis ist die Wirksamkeit gut, aber nicht absolut.

Kommerzielle Hydrolysat-Produkte: Hill's Prescription Diet z/d, Royal Canin Anallergenic, Purina Pro Plan HA. Diese Futter sind verschreibungsfähig und in der Regel teurer als Monoprotein-Futter. Studien belegen ihre Wirksamkeit als Eliminationsdiät bei den meisten Hunden. (Bizikova & Olivry 2016; Jackson et al. 2003)

Für Hunde, die auf viele bekannte Proteine bereits sensibilisiert sind, oder wenn keine geeignete Monoproteinquelle gefunden werden kann, ist ein Hydrolysat die erste Wahl.


7. Wie lange muss die Eliminationsdiät durchgehalten werden?

Symptom-TypErwartete Zeit bis zur Verbesserung
Magen-Darm-Symptome2–4 Wochen
Hautprobleme (Juckreiz)4–8 Wochen
Chronische Ohrentzündungen6–12 Wochen

Quelle: Olivry et al. 2015 – ICADA Konsensus-Leitlinie

Die offizielle Mindestdauer beträgt 8 Wochen. Empfehlung: 12 Wochen – denn Hautprobleme, die die häufigste Präsentation sind, brauchen oft länger als die Mindestvorgabe. Eine Diät nach 6 Wochen als „gescheitert" abzubrechen, ist einer der häufigsten Fehler.


8. Wie geht es nach der Eliminationsdiät weiter?

Haben sich die Symptome unter der Eliminationsdiät deutlich verbessert (mind. 50 % Verbesserung), folgt der nächste Schritt:

  • Wenn keine Verbesserung: Die Diagnose Futtermittelallergie ist unwahrscheinlich – andere Ursachen abklären (Umweltallergie, Parasiten)
  • Wenn Verbesserung eingetreten: Provokationstest (Reintroduktion des alten Futters) durchführen

Viele Besitzer überspringen den Provokationstest – das ist ein Fehler. Ohne Provokationstest ist die Diagnose Futtermittelallergie nicht gesichert, und der Hund bleibt dauerhaft auf eingeschränkter Kost ohne sichere Diagnose.


9. Der Provokationstest: Warum er unerlässlich ist

Beim Provokationstest wird das alte Futter (das Futter vor der Eliminationsdiät) gezielt wieder eingeführt. Korrekte Durchführung:

  • Altes Futter wieder füttern – für bis zu 2 Wochen
  • Kehren die Symptome in dieser Zeit zurück: Diagnose Futtermittelallergie bestätigt
  • Dann: zurück zur Eliminationsdiät, bis Symptome abklingen

Im Anschluss können einzelne Proteinquellen systematisch getestet werden – jeweils für 1–2 Wochen – um herauszufinden, welche Proteine der Hund verträgt. Ergebnis: Der Hund kann langfristig handelsübliches Futter fressen, solange es die identifizierten Allergene nicht enthält.


10. Aufbau einer dauerhaften Erhaltungsdiät

Sobald die Auslöser identifiziert sind, geht es darum, eine praktikable Langzeitdiät zu etablieren:

  • Alle bekannten Auslöser konsequent ausschließen – in Futter, Leckerlis und Medikamenten
  • Mehrere geeignete Produkte von verschiedenen Herstellern identifizieren (Versorgungssicherheit)
  • Etiketten bei jedem Kauf neu prüfen – Hersteller ändern Rezepturen ohne Ankündigung
  • Regelmäßige Kontrolle beim Tierarzt: Neue Sensibilisierungen sind möglich
SensiPet als dauerhaftes Werkzeug: Bekannte Allergene als Ausschlusskriterien eingeben – alle geeigneten Produkte mit Preis- und Shopvergleich werden angezeigt. Wenn sich die Zutatenliste eines Produkts ändert, fällt es automatisch aus den Ergebnissen heraus.

11. Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden

Fehler 1: Diät nicht streng genug einhalten
Eine einzige Ausnahme – ein Leckerli, ein Biss Tischessen – setzt die Diagnosephase zurück. Das Immunsystem reagiert auch auf kleinste Mengen des Allergens.

Fehler 2: Kauartikel vergessen
Büffelhaut, Pansen, Ochsenziemer, Kaustreifen – fast alle enthalten tierisches Protein. Sie müssen für die gesamte Diätdauer weggelassen werden.

Fehler 3: Zu kurze Diagnosedauer
Mindestens 8 Wochen, besser 12. Viele Hunde zeigen erst nach Woche 6–8 eine merkliche Verbesserung der Haut.

Fehler 4: Den Provokationstest weglassen
Ohne Provokation keine gesicherte Diagnose. Der Hund bleibt ohne Provokationstest dauerhaft auf einer unnötig eingeschränkten Diät, ohne dass klar ist, was er wirklich nicht verträgt.

Fehler 5: Medikamente nicht überprüfen
Viele Kautabletten (Antiparasitika, Gelenkmittel, Vitaminsupplemente) enthalten Rind-, Geflügel- oder Lebergeschmack. Mit dem Tierarzt klären, ob die jeweiligen Präparate umgestellt werden müssen.

Fehler 6: Nach der Diagnose nachlässig werden
Hersteller ändern Rezepturen. Ein Produkt, das heute allergenfrein ist, kann es nächsten Monat nicht mehr sein. Etiketten bei jedem Kauf kontrollieren.


12. Fazit

Die Futtermittelallergie beim Hund ist diagnostisch anspruchsvoll – aber mit konsequenter Eliminationsdiät, korrektem Provokationstest und dauerhafter allergenvermeidender Erhaltungsdiät können die meisten betroffenen Hunde ein beschwerdefreies Leben führen.

Der entscheidende Erfolgsfaktor ist Konsequenz: über die gesamte Diätdauer, ohne Ausnahmen, unter Einbeziehung aller Haushaltsmitglieder.

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Literatur & Quellen

  • Mueller RS et al.: Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals: common food allergen sources in dogs and cats. BMC Vet Res. 2016;12(1):9.
  • Olivry T, Mueller RS: Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals: is there useful evidence to support the use of serological testing? BMC Vet Res. 2018;14(1):157.
  • Olivry T et al.; International Committee on Allergic Diseases of Animals (ICADA): Treatment of canine atopic dermatitis: 2015 updated guidelines from the International Committee on Allergic Diseases of Animals. BMC Vet Res. 2015;11:210.
  • Verlinden A et al.: Food hypersensitivity reactions in dogs and cats: an overview. Crit Rev Food Sci Nutr. 2006;46(3):259–273.
  • Bizikova P, Olivry T: A randomized, double‐blinded crossover trial testing the benefit of two hydrolysed poultry‐based diets in dogs with spontaneous pruritic dermatoses. Vet Dermatol. 2016;27(5):314–e379.
  • Jackson HA et al.: Evaluation of the clinical and allergen specific serum immunoglobulin E responses to oral challenge with cornstarch, corn, soy and a soy hydrolysate diet in dogs with spontaneous food allergy. Vet Dermatol. 2003;14(4):181–187.
  • Hand MS, Thatcher CD, Remillard RL et al.: Small Animal Clinical Nutrition. 5. Aufl. Mark Morris Institute, 2010.
CG

Christopher Groß

Tierarzt · Doktorand Tierernährung, TiHo Hannover

Christopher Groß ist Tierarzt und Doktorand der Tierernährung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Er befindet sich in der Weiterbildung zum Fachtierarzt für Tierernährung und Diätetik. SensiPet wurde von ihm entwickelt, um veterinärmedizinisches Ernährungswissen für Tierhalter*innen und Kolleg*innen zugänglich zu machen – auf Basis aktueller wissenschaftlicher Leitlinien, tierärztlich geprüft.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle tierärztliche Beratung. Bei Erkrankungen Ihres Tieres wenden Sie sich bitte an Ihren Tierarzt oder einen Fachtierarzt für Tierernährung und Diätetik.

Letzte Aktualisierung: 23. April 2026 · © SensiPet · sensipet.de · Alle Angaben ohne Gewähr